Die Tarifverhandlungen für die rund 95.000 Beschäftigten in der deutschen Druckindustrie, die in Berlin begannen, wurden vertagt. Die Forderung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nach sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von 12 Monaten wiesen die Arbeitgeber mit Verweis auf die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage der Branche als nicht realisierbar zurück.
Die Gespräche fanden in konstruktiver Atmosphäre statt. Dennoch konnte keine Annäherung der Positionen erreicht werden. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber in der Druckindustrie, Dr. Klemens Berktold, Geschäftsführer der FUNKE Druckzentrum Niedersachsen GmbH, appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Arbeitnehmervertretung: „Angesichts der strukturellen Probleme unserer Branche stellen die ver.di-Forderungen keine realistische Verhandlungsbasis dar.“
Maßstab einer verantwortlichen Tarifpolitik müsse die Situation der Branche sein. Die Druckindustrie steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Wie viele andere Industriezweige ist sie von rückläufigen Umsätzen, Insolvenzen und Wettbewerb aus dem Ausland betroffen. Nach Auffassung der Arbeitgeber würde ein Tarifabschluss in der von ver.di geforderten Höhe die Unternehmen in der aktuellen Situation überfordern und ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter beeinträchtigen.
Berktold appellierte daher an die Gewerkschaft, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den weiteren Verhandlungen zu berücksichtigen: „Wir Arbeitgeber fordern ver.di auf, sich der gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft unserer Branche zu stellen und Lösungen zu finden, die sowohl den Betrieben als auch den Beschäftigten gerecht werden. Unser Ziel sind maßvolle Entgelterhöhungen bei einer längeren Laufzeit, die den Unternehmen Planungssicherheit gibt und gleichzeitig d en Interessen der Beschäftigten Rechnung trägt.“
Die Verhandlungen sollen am 25. August in Berlin fortgesetzt werden.
BVDM
Der Bundesverband Druck und Medien e. V. (BVDM) ist der Spitzenverband der deutschen Druckindustrie. Als Arbeitgeberverband, politischer Wirtschaftsverband und technischer Fachverband vertritt er die Positionen und Ziele der Druckindustrie gegenüber Politik, Verwaltung, Gewerkschaften und der Zulieferindustrie. Getragen wird der BVDM von acht regionalen Verbänden. International ist er über seine Mitgliedschaft bei Intergraf und FESPA organisiert. Zur Druckindustrie gehören aktuell rund 6.300 überwiegend kleine und mittelständische Betriebe mit mehr als 99.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
