Der nächste Kunde einer Druckerei könnte kein Mensch mehr sein, sondern ein KI-Agent, der recherchiert, vergleicht und bestellt. Was das für (Online-)Druckereien bedeutet, beschreibt zipcon consulting im Whitepaper „Agentic Print – Print wird Infrastruktur“.
Bernd Zipper, Gründer und CEO des Beratungsunternehmens zipcon consulting und Vorstandsvorsitzender der Initiative Online Print hat ein Whitepaper zum Thema Agentic Print veröffentlicht. Kernaussage ist, dass Druckereien, die ihr Angebot nicht maschinenlesbar auffindbar machen, im Onlinehandel zukünftig keine Rolle mehr spielen. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz wandere die Kaufentscheidung und -abwicklung zunehmend von Menschen zu KI-Agenten. Anlass für das Papier ist eine Entwicklung, die aus dem Handel kommt. Anfang 2026 stellte Google in das Universal Commerce Protocol (UCP) vor, gemeinsam mit Shopify, Walmart, Target, Etsy und Wayfair und weiteren Partnern. Parallel dazu arbeiten OpenAI und Stripe am Agentic Commerce Protocol (ACP) und am Anthropic am Model Context Protocol (MCP). Welcher dieser drei Standards sich im Onlinehandel der Zukunft durchsetzen wird, ist offen.
Für den Onlineprint ist es laut Whitepaper nicht mehr der Kunde, der sich bei der Produktsuche anhand von Kriterien durch Shops klickt, sondern ein Agent liest maschinenlesbare Profile der Onlineshops aus. Was dort nicht steht, existiert für den Agenten auch nicht. Selbst große Onlinedruckdienstleister würden, wie Zipper betonte, oft nicht von agentischen Systemen gefunden. Bernd Zipper räumt jedoch in dem neuen Whitepaper auch die Chance ein, dass der Ausstieg aus dem reinen Preiswettbewerb einhergeht mit den Aufstieg von Agentic Print.
Der online generierte Print-Umsatz in der DACH-Region gilt als Markt, in dem vorrangig der Preis entscheidet. Ein KI-Agent, der „heute liefern“ oder einen CO2-Wert als Kriterium erhält, würde die Angebote nach dieser Anforderung sortieren und nicht nach dem günstigsten Preis, womit Differenzierung maschinenlesbar wäre. Die Kehrseite der Entwicklung wäre, dass bei Preis, Termin oder der Einhaltung von Nachhaltigkeitszertifikaten der Vergleich schonungslos wird. Denn bei Agentic Print entstehe Vertrauen im agentischen Kanal nicht über Kampagnen, sondern über den Nachweis und die Einhaltung der Zusagen. Erst wenn agentengesteuerte Nachfrage und eine durchautomatisierte, selbst KI-unterstützte Produktion zusammenlaufen, schließe sich der Kreislauf.
Damit konfigurierte, dateibasierte Druckprodukte in dem neuen Standard sauber abgebildet werden, hat die Initiative Online Print gemeinsam mit BVDM und Intergraf im Mai 2026 die Entwicklung eines Branchen-spezifischen UCP-Verticals dev.ucp.print gestartet. Beigetreten sind dem Projekt dpsuisse, VIGC, CIP4, die Ghent Workgroup und die PRINTING United Alliance.
zipcon
zipcon Consulting GmbH ist ein global agierendes Beratungsunternehmen für die Kommunikations-, Druck- und Medienbranche mit dem Fokus Onlineprint und Digitale Transformation. Das Unternehmen versteht sich als unabhängiger und ganzheitlicher Technologie- und Strategieberater. zipcon erstellt Marktstudien sowie verschiedene Fallstudien für E-Business-Print, Mass Customization und Multichannel Publishing.
